NEWS
07.09.2008 PILOT NEWS
Meinungen aus den Hangars nach der Qualifikation
Kirby Chambliss (1.) hat eine Show der Extraklasse gezeigt. Nach seinem bitteren, zwölften Platz von Budapest und dem Rückfall auf Rang drei, ist der Amerikaner beim samstägigen Qualifying für das Rennen von Porto auf eindrucksvolle Weise auf die Siegerstraße zurückgekehrt. „Mein Flug war gut und sauber,“ sagte er. „Wenn ich morgen ähnlich gut fliegen kann, dann wäre ich sehr glücklich. Ich denke, Paul (Bonhomme) und Hannes (Arch) sind heute zu vorsichtig zu Werk gegangen,“ so der Amerikaner, der nach eigener Aussage „alles gegeben“ habe. „Der Kurs ist sehr gerade und wir waren alle schnell. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der richtigen Strategie im Umgang mit den g-Kräften bei Loopings. Du musst einfach versuchen, gerade noch am Limit zu sein, aber ja nicht zu weit darunter. Auf diesem schnellen Kurs waren wir heute allesamt an der Grenze des möglichen.“
Hannes Arch (2.) war erleichtert, seinen ungewohnten neunten Platz aus dem Training wieder gut gemacht zu haben. Nach der Absage des Freitagstrainings ging er leicht pessimistische in die Qualifikation. „Das Trainingsergebnis hat mir keine Ruhe gelassen und ich machte mir Sorgen,“ sagte der Österreicher. Er hätte trotzdem mit seinen zwei sicheren Flügen ohne Strafsekunden beinahe die schnellsten Zeiten geschafft. Dies stimme ihn für das Rennen am Sonntag optimistisch. „Du musst dich während deines Fluges sehr, sehr konzentrieren. Da geht im mentalen Bereich eine ganze Menge ab und du bist gedanklich nur bei der Qualifikation,“ ärgerte sich Arch über eine 2.000-Euro-Strafe wegen Fliegens ohne Rauch in seinem ersten Lauf.
Nigel Lamb (3.) bestätigte mit einem brillanten Qualifying seine ansteigende Form. Er war der Meinung, dass ihm der schnelle Kurs in Porto „goldene“ Möglichkeiten für eine Platzierung unter den Top drei eröffne. „Mein Flugzeug ist zwar zu schwer, es hat dafür aber hohe, aerodynamische Vorteile. Es lässt sich gut steuern, auch wenn das Verhältnis Kraft und Gewicht nicht ganz optimal ist. Im Vergleich mit allen anderen Rennen habe ich hier in Porto wohl die besten Chancen.“ Trotz Chambliss’ außerordentlicher Performance sei im Rennen alles möglich. „Genauso wie im letzten Jahr, als Steve Jones überraschend gewinnen konnte.“ Lamb meinte, es gäbe viele Kandidaten für einen Sieg, aber: „Ich glaube, ich habe gute Chancen auf einen Platz am Podium.“
Mike Mangold (4.) sagte, sein Flugzeug habe mit Chambliss’ Tempo einfach nicht mithalten können, dennoch wäre eine Platzierung unter den ersten drei in Reichweite gewesen. „Ich und mein Team sind dennoch zufrieden. Hier und da konnte ich einige Zehntel aufholen und ich war nahe am Podest. Das ist mein Ziel,“ so der Amerikaner. Ein paar winzige Änderungen könnten ihm dabei helfen. Da Kirby Chambliss die schnellste Maschine mit einem großen Motor habe, wolle er „am Start schneller sein. Es ist ein Flugzeugrennen und es geht um Geschwindigkeit.“
Peter Besenyei (5.) schaffte mit einem starken zweiten Qualifying den Sprung von Platz neun auf Platz fünf. „Vier Piloten waren nur eine zehntel Sekunde voneinander getrennt. Das war auf den Kurs zurückzuführen. Er ist gerade und schnell,“ sagte Besenyei, für den am Sonntag alles möglich sei.
Alejandro Maclean (6.) war von der Leistung seines neuen Karbonfiber-Propellers angetan. Er eröffne ihm mehr Möglichkeiten in Punkto Geschwindigkeit. Dennoch sieht er nur geringe Chancen, zu den führenden Piloten aufzuschließen. „Das Problem ist das übermäßig hohe Gewicht und der Mangel an Power. Diese Maschine ist nicht besser. Unser neues Flugzeug wird gerade gebaut.“ Und in seine verbesserte MXS, die er ab dem neuen Jahr verwenden wird, setzt Maclean große Hoffnungen. „Sie wird in jeder Beziehung besser sein.“
Michael Goulian (7.) war nach dem Erreichen seines Top-8-Platzes zwar auf jeden Fall glücklich, trotzdem frustrierte es ihn, dass er an seine Top-Performance und Platz zwei vom Donnerstagstraining nicht anknüpfen konnte. „Ich war für das erste Training bestens vorbereitet. Ich hatte die richtige Taktik, aber ich habe den anderen Piloten die Chance geboten, zuzusehen, wie man den Kurs am besten bewältigt,“ sagte Goulian. Am ersten Trainingstag seien manche mehr vorbereitet als andere, aber während des Rennens hätten alle ihre Ideallinie gefunden. „Ich kann keine glanzvollen Ergebnisse erwarten, weil ich keine glorreiche Maschine habe, aber eine Zeit um 1:09.00 sollte möglich sein. Ein Platz unter den Top Vier wäre großartig,“ blieb er zuversichtlich.
Steve Jones (8.) war fassungslos, dass so viele Flugzeuge in diesem Jahr an ihm vorbei geflogen seien, obwohl seine Maschine genauso schnell sei. „Noch schneller geht schon nicht mehr. Ich habe mir die Videoanalyse angesehen und keine Fehler bemerkt. Was ich noch besser machen könnte, weiß ich nicht,“ so der Sieger von Porto 2007. Die Rennstrecke des letzen Jahres wäre ihm mehr gelegen, meinte Steve Jones über den leicht veränderten Kurs. „Nicht nur mein Flugzeug ist im Vergleich zum Vorjahr schneller geworden, denn alle haben in Modifikationen investiert. Deshalb gibt es beim Air Race so viele schnelle Flugzeuge.“ Übrigens: Zwischen Platz drei und Platz neun waren nur 1,6 Sekunden. Lediglich 1,2 Sekunden trennten Platz vier und Platz neun. Ursprünglich war Jones Neunter, durch die Rückversetzung von Paul Bonhomme auf Platz zwölf schaffte er den Sprung in die Super Eights.
Nicolas Ivanoff (9.) hat sich keinen Illusionen hingegeben, nach seinem spektakulären zweiten Platz von London in Porto neuerlich ein Topresultat zu erreichen. Trotzdem hoffte er bis zuletzt auf eine Qualifikation für die Super Eights und war nach seinem zehnten Platz umso mehr enttäuscht. „Mir ist es diesmal gar nicht gut gegangen. Ich wusste schon vor dem Rennen, dass mein Flugzeug nicht zu den schnellsten zählt und hoffte trotzdem auf einen Top-8-Platz. Leider hat es nicht geklappt,“ resümierte der Korse, dessen Extra sich eigentlich auf Rennstrecken mit schwierigen Kurven auszeichnen kann.
Sergey Rakhmanin (10.) war zwar weit hinter den Führenden, doch sein eigentliches Ziel sei es, Fortschritte zu machen. „Für mich war es genauso wie gestern, ich habe nichts verändert,“ sagte der Russe, der im Gegensatz zu seinen Kontrahenten keinerlei Veränderungen in Sachen Geschwindigkeit vorgenommen hat. „Es ist unmöglich, schneller zu fliegen. Dafür brauche ich ein anderes Flugzeug. Ich messe mich nicht mit meinen Gegnern, sondern fliege immer gegen mich selbst.“
Glenn Dell (11.) nahm seinen elften Platz mit Fassung. „Ich habe hier eine tolle Zeit. Das Wetter war absolut perfekt und der Kurs ist einfach großartig. Es sieht relativ einfach aus, obwohl ich das letzte Mal beim Rennen einen Pylone-Hit hatte,“ so der Rookie, dessen größtes Problem nach eigener Aussage die fehlenden Flugzeiten mit seiner Rennmaschine sind. „Es wäre wirklich schön, die Maschine ‚nur’ zu fliegen, auch trotz der Tiefflüge zwischen den Pylonen. Ich habe zwar die Möglichkeit, mit einem anderen Flugzeug zu trainieren, aber das ist nicht dasselbe wie mit der Edge.“
Paul Bonhomme (12.) ärgerte sich über seine Disqualifikation und die Rückversetzung auf den letzten Platz, weil er bei seinem Flug offenbar über dem zugelassenen 12g –Limit war. Nun startet der Führende in der WM in der Point One Competition und hofft, mit einem neunten Platz zumindest einen Punkt zu retten. Dieser eine Zähler würde seine Hoffnungen auf den Titel 2008 am Leben erhalten. „Ich kenne die Regeln. Kirby war 1/10 Sekunde innerhalb des Grenzbereichs und ich 1/10 darüber,“ sagte er. „Ich war über dem Grenzwert, obwohl ich selbst vom Gegenteil überzeugt war und ich mich sehr bemüht habe, darunter zu bleiben. Da kann ich nichts machen.“





